Podiumsdiskussion mit Politikern in der besetzten Uni Augsburg

25 11 2009

Die Universität Augsburg bleibt weiter besetzt. Seit einer Woche protestieren die Studenten gegen Studiengebühren und Missstände des Bologna-Systems. Dazu hat am Dienstag (24.11.) eine Podiumsdiskussion im besetzten Hörsaal I statt gefunden, bei der Matthias Strobel (Sprecher der Augsburger Grünen), Dr. Simone Strohmayr (MdL SPD), Bernhard Pohl (MdL Freie Wähler), Klaus Wenzel (Präsident des BLLV), Silvio Heidbüchel (Die Linke, Jugendverband solid Augsburg) und Sasa Bosancic (Lehrstuhl für Soziologie, Uni Augsburg) teilgenommen haben. Mit den rund 500 Studenten diskutierten sie rund zwei Stunden lang. Themen waren vor allem die Studiengebühren und der Bologna-Prozess mit den neuen Bachelor- und Masterstudiengängen. Großer Konsens bestand unter den Beteiligten: Die Studiengebühren müssen abgeschafft werden!  Weiter wurde die Ökonomisierung des Bildungssystems kritisiert.

Im Folgenden einige Zitate aus der Podiumsdiskussion:

Strohmayr:
“Der Bachelor-Master-Prozess muss dringend nachgebessert werden. Bildung muss mehr individualisiert werden. Es muss klare Qualitätsverbesserungen geben, deshalb sind die beschlossenen Steuersenkungen im Moment der falsche Weg. Denn wir brauchen mehr Geld für die Bildung. Studiengebühren müssen weg. Zudem brauchen wir mehr Demokratie an den Universitäten.”

Pohl:

“Die verschulte Art der Universität ist ein Unding. Ich hatte während meines Studiums noch viel mehr Freiheit. Ich habe noch das Denken gelernt. Es kann nicht sein, dass man die Universität mit einer Fortsetzung der gymnasialen Kollegstufe verwechselt. Die Studiengebühren müssen weg! Es müssen mehr Räume geschaffen werden und mehr Angebote. Prüfungen in den ersten beiden Semestern sollten abgeschafft werden.”

Heidbüchel:
“Die Studenten werden in den Arbeitsmarkt katapultiert. Doch eigentlich soll Bildung den Menschen formen. Deshalb muss viel nachgebessert werden. Bildung ist im Moment eine Ware, die man sich leisten muss. Das darf nicht sein. Wer die Krise überwinden will, der sollte auf flächendeckende Bildungsreformen setzen. Schüler und Studenten brauchen darüber hinaus mehr Mitgestaltungsrechte.”

Strobel:
“Die Hauptziele von Bologna sind nicht erreicht. Bologna ist aber nicht gescheitert. Das Hauptproblem ist: Der Prozess wurde viel zu schnell umgesetzt. Im Moment haben Diplomer die besseren Chancen auf dem Arbeitsmarkt als die Absolventen von Bachelor-Studiengängen. Die Grünen fordern mehr Räume, mehr Stellen, mehr Mittel. Der Solidaritätszuschlag muss in einen Bildungssoli umgebaut werden. Wir werden die Forderungen der Studierenden aufgreifen und in die parlamentarische Arbeit hineintragen.”

Wenzel:
“Es ist gut, dass die Studierenden die Bildung jetzt endlich in die Hand nehmen!  In der Universität  sollte es um Wissenschaft gehen, das heißt Freiheit, Flexibilität und Kreativität. Im Moment ist genau das Gegenteil Realität. Bildung kann nur dann gelingen, wenn es eine Entschleunigung gibt. Dieses Bulimie-Lernen ist schrecklich. Bildung muss etwas anderes sein als das Hineinstopfen von Fakten.”

Bosancic:
“Das Problem ist: Für die Missstände gibt es keinen Verantwortlichen. Es hat sich verselbstständigt. Verantwortung wird hin und her geschoben. Gegen wen protestieren wir eigentlich?”

Weitere Infos auf der Homepage der Besetzer


Aktionen

Information

Einen Kommentar hinterlassen

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.